Interview mit Valentine Pozzo di Borgo

Das korsische Adelsgeschlecht Pozzo di Borgo gehört zu den Familien, deren Geschichte sich durch zahlreiche historische Begebenheiten und Anekdoten zurückverfolgen lässt und deren Stammbaum Persönlichkeiten mit ausdrucksstarken Charakteren hervorgebracht hat. Fasziniert von der Geschichte ihrer Ahnen entwarf Valentine Pozzo di Borgo eine Duft-Kollektion, welche - statt Namen - die Geburtsdaten herausragender Familienmitglieder trägt. Die Ingredienzien der eleganten, modernen Parfums schaffen eine Verbindung zu deren Biografien und haben mit ihrer subtilen Zurückhaltung das Zeug zum Klassiker von Morgen. Bei Ihrer Duftpräsentation in unserem Haus am Marienplatz trafen wir Sie zum Gespräch.

Adel verpflichtet

Welche Person aus Ihrer Familie ist, neben den „Duft-Vorbildern“, Ihre größte Inspirationsquelle bzw. Vorbild?

VP: Meine Familie ist groß. Alle Charaktere, ihre Geschichten, ihr Leben inspirieren mich. Diejenige, die mich in meinen Kreationen am Meisten unterstützt ist meine Mutter .

 

Welche Person aus Ihrer Familie ist ihr größter Duftkritiker? Warum?

VP: Die größten Kritiker sind meine Eltern, die offen sagen, was Sie von meiner Arbeit halten. Diese konstruktive Kritik ist mir eine große Hilfe. Die Kritik kann sowohl positiv als auch negativ ausfallen, diese richtig zu werten ist die Stärke.

 

Die Wurzeln Ihrer Familie liegen auf Korsika, spielen korsische Pflanzen eine Rolle in den Düften?

VP: Unsere Familie kommt aus einem kleinen Dorf Names Alata, im Norden von Ajaccio. Auf Korsika begegnen uns eine unendliche Vielzahl von Gerüchen: Maquis-Wälder, Meer, Ginster, Immortelle, Feige, Zitrus, Olivenhaine… All diese Düfte haben meine Kindheit geprägt und inspirieren mich notgedrungen! Ich benutze nicht in jeder Kreation eines dieser Düfte, aber es findet sich in jedem Duft ein korsischer Touch wieder.

 

Mit welchen Parfümeuren arbeiten Sie zusammen?

VP: Wir haben für jeden Duft mit unterschiedlichen Parfümeuren gearbeitet. Jeder Parfümeur mit seiner besonderen Persönlichkeit, kombiniert mit einem bestimmten Mitglied meiner Familie, gab die Geburt eines jeweils einzigartigen Duftes. Ich habe beispielsweise für meinen Duft mit Violaine Collas zusammengearbeitet.

 

Möchten Sie mit den Düften mehr den Charakter der Person einfangen oder mehr das Lebenswerk widerspiegeln?

VP: Unsere Kreationen sind eine leichte Mischung aus beidem. Im Vordergrund steht der Charakter, aber ein Charakter wird durch das Leben geprägt bzw. geschmiedet: Was liebe ich, was ich überhaupt nicht mag, etc.

 

Erinnert ihr eigener Duft Sie an bestimmte Ereignisse, Orte, etc.?

VP: Mein Parfüm ruft Unendliches hervor, eine Mischung aus allem! Ich bin ein wenig wild, diese Seite verkörpert die Feige. Aufgewachsen in Paris, gibt Iris der Feige den noblen Touch, was meinem Charakter entspricht.

 

Der Flakon hat ein wunderschönes, klares Design, fast wie eine Säule. Woher kam die Inspiration?

VP: Ja, das ist richtig. In der Tat handelt es sich um eine Säule der Tuilerien. Als das Schloss der Tuileries brannte, kaufte einer meiner Vorfahren die Steine des Schlosses, um damit auf Korsika in Mitten der Maquis-Wälder ein Schloss zu errichten: „Le Château de la Punta“. Hier entstand die mit Hilfe von Pierre Dinand die Inspiration des Flakons.

 

Erzählen Sie uns noch etwas über Ihren Familienhintergrund.

VP: Väterlicherseits stammt meine Familie wiegesagt aus Korsika. Meine Mutter kommt ihrerseits aus der Parfümindustrie. Mein Ur-Urgroßvater gründete die Firma Givaudan, heute eines der weltweit führenden Duft-Unternehmen. Mein Großvater gründete seinerzeit eine Firma namens „Création Aromatique“. Somit war Parfüm schon immer eine Selbstverständlichkeit für mich.

 

In Presseartikeln werden Sie oft als europäische Erbin, als „Jetset-Dame“ bezeichnet. Sehen Sie sich selbst so?

VP: Meine Familie ist eine alte korsische Familie. Ich will mich keineswegs als Jet-Set bezeichnen. Ich habe niemals darüber geredet, ich bin von Natur aus sehr schüchtern, aber zugleich auch etwas wild! Wenn es mir möglich wäre, würde ich mit meinen Pferden auf dem Land leben!

 

In der Vergangenheit wurden Sie oft mit der Casiraghi Familie, vor allem mit Charlotte und Pierre gesehen. Die Presse nannte Sie "Charlottes beste Freundin" und "Pierres erste Liebe". Sind Sie noch in Kontakt mit ihnen? Sehen Sie sich regelmäßig?

VP: Früher haben wir im gleichen Team geritten, daher waren wir sehr oft zusammen. Wir sind Freunde. Aber die Presse verbreitet stets eine Menge Gerüchte über unsere Freundschaft. Ja, wir sind immer noch in Kontakt, aber wir gehen heute verschiedene Wege.

 

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre, für Ihr Unternehmen und für Sie persönlich?

VP: Für das Unternehmen wünsche ich mir für alle meine Düfte Liebhaber zu finden, die diese zu schätzen wissen. Persönlich hoffe ich so zu bleiben wie ich bin und in der Lage zu sein weiterhin Dinge zu schaffen, die ich liebe und die mir ermöglichen zu träumen!