Interview mit Linda Pilkington

Ormonde Jayne – The Four Corners of the Earth

Linda Pilkington hat ein Händchen für seltene Duftessenzen. Die Gründerin des Parfumhauses ORMONDE JAYNE kreierte als Erste, außerhalb der arabischen Welt, ein Parfum mit kostbarem Oudh. Und auch für Ihre neue Kollektion „The Four Corners of the Earth“ reiste sie, auf der Suche nach den edelsten und seltensten Ingredienzen, um die Welt. Im Interview mit Ludwig Beck erzählt sie von ihrer neuen Kollektion und den Anfängen des Parfumhauses ORMONDE JAYNE.

Wann begann Ihre Liebe zu Parfums?
Als ich 12 Jahre alt war, schenkte mir meine Mutter eine Flasche von „Madame Rochas“. Der elegante, schmale Flakon mit seinem riesigen, goldenen Verschluss war das Größte für mich und lies mein Zimmer, wie ich fand, total chic aussehen. Also fragte ich meine Mutter und ihre Freundinnen nach weiteren Parfum-Flakons und im Laufe der Zeit kamen so über hundert Fläschchen zusammen. Eines Tages bekamen wir Besuch und als dieser meine Flakon-Sammlung sah, fragte er mich, ob ich Parfümeurin werden möchte. Das war die Initialzündung für mich.

Was fasziniert Sie an dieser Tätigkeit besonders?
Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und jetzt sind wir ein international anerkanntes Parfumhaus! Es hat über ein Jahrzehnt gedauert und natürlich gab es Höhen und Tiefen, aber wir haben es geschafft und ich bin sehr stolz auf Ormonde Jayne und mein Team, das sehr hart arbeitet und ebenfalls sehr stolz auf unseren Erfolg ist.

Einer der ersten Auftraggeber von Ormonde Jayne war ein Bekannter von Ihnen, der Sie bat, eine Kerze für den neuen Chanel-Shop zu entwickeln.
Ja, das war ein klassischer Zufall. Ich traf einen alten Freund, der bei Chanel Fine Jewelry arbeitete. Er erinnerte sich an meine Parfumflakon-Sammlung und an mein Hobby Duftkerzen, Raumsprays und Badeöle herzustellen. Und er fragte mich, ob ich für seine Boutique in der Bond Street in London eine Kerze entwickeln möchte. Ich nahm die Herausforderung an und sechs Monate später war die Kerze fertig.

Dachten Sie damals schon, dass das der Grundstein für das Parfumhaus Ormonde Jayne sein könnte?
Keine Sekunde lang! Aber ich hatte schon immer eine sehr positive Einstellung zum Leben und sehe immer „das halb volle Glas“. Ich nehme Herausforderungen gerne an, habe ein wachsames Auge und offene Ohren. Mein Kopf ist randvoll mit Ideen!

Wie kam es zu dem Namen Ormonde Jayne?
Ich musste diese Rechnung an Chanel schreiben und mein Name erschien mir zu langweilig, zu normal und zu Englisch! Wir kochten gerade zusammen das Abendessen, als meinem Mann der Name Ormonde Jayne einfiel. Eine clevere Kombination aus meinem Mädchennamen und der Straße, in der wir wohnten.

Was ist ihr Lieblingsduft von Ormonde Jayne?
Oh, das ist als würden Sie mich nach meinem Lieblingskind fragen! Ich liebe alle, jeden aus einem anderen Grund. Aber ich mag „Osmanthus“ und „Frangipani“ für den Sommer, „Tolu“ und „Tsarina“ für den Abend und „Ormonde Woman“ und „Champaca“, wenn es darum geht, den komplexen Aufbau, der in diesen Düften steckt, zu zeigen.

Was inspirierte Sie zur neuen Kollektion „The Four Corners of the Earth“?
„The Four Corners of the Earth“ ist ein Synonym für die ganze Welt. Inspiriert wurde ich von einem Zeitungsartikel, der von den BRIC-Countries handelte. In dem Artikel ging es nicht nur um den wirtschaftlichen Aspekt, sondern auch um den emotionalen Effekt, den dieser Wandel nach sich ziehen wird, wenn alte Traditionen mit neuen Bedürfnissen konfrontiert werden. Dieser Gedanke hat mich sehr inspiriert.

Welche Eindrücke fangen diese Düfte ein?
Sie tragen quasi den Charakter der jeweiligen Kultur in sich. In China haben Parfums keine lange Tradition. Die Menschen dort lieben deshalb nur leichte, natürliche Düfte. „Chi“ bedeutet so viel, wie der Atem des Lebens und das Parfum mit Osmanthus, Mate und Moos ist wie eine feine, frische Brise. Russlands Geschichte hingegen ist geprägt von Opulenz und diese wird von „Tsarina“ mit seinem reichen Bouquet aus Vanille, Amber und Orris-Butter eingefangen. „Montabaco“ ist die Essenz von Lateinamerika. Leder, Holz und Tabak-Noten vermitteln eine sinnliche, verführerische Lebensfreude. Nawab of Oudh ist eine Provinz in Zentralindien und der einzige Ort Indiens an dem man Adlerholz, das Rohmaterial für Oudh, finden kann. Der Duft ist inspiriert von den „Nawabs“, einst Herrscher der Region. Er ist sehr besonders, denn keiner der Inhaltsstoffe hebt sich hervor. Stattdessen entwickelt „Nawab of Oudh“ eine wunderschöne Komplexität und Extravaganz.

Es heißt das britische Könighaus zählt zu Ihren Stammkunden. Verraten Sie uns, wer zu Ihren prominenten Kunden gehört?
Wir liefern Kerzen an Highgrove, dem Landsitz von Prinz Charles und wir haben für verschiedene royale Hochzeiten weltweit die Parfums kreiert. Außerdem zählen wir Mitglieder des dänischen Könighauses zu unseren Kunden. Und es gibt ein paar Hollywood- und Rockstars, die zu unseren Fans gehören.

The Four Corners of the Earth Kollektion ist exklusiv bei uns erhältlich.