Interview mit Camille Goutal

 

Die Parfums von Annick Goutal sind französische Klassiker. Camille Goutal, Geschäftsführerin des Hauses, verrät in, welche Rolle Düfte in Ihrem Leben spielen.

Düfte bringen mich zum Träumen

Wenn Sie persönlich ein Duft wären, wie würden Sie sich beschreiben - in Kopf-, Herz- und Basisnote?
Wenn ich ein Parfum wäre, wäre ich „Songes”. Ich habe diesen Duft für mich selbst kreiert. Er besteht aus weißen Blüten in der Kopfnote (für ein Glücksgefühl), Gewürzen in der Herznote (für ein bisschen Verrücktheit und eine dunkle Facette) und Vanille, Mandel und Kokos in der Basisnote (für Sinnlichkeit und eine weiche Seite).


Gibt es eine Duftnote oder ein Parfum, das Ihr Leben verändert oder geprägt hat?
Nicht wirklich, aber es gibt einige Essenzen, ohne die ich nicht leben kann, wie z. B. Iris, Veilchen, Jasmin, Ylang-Ylang und Vanille. Sie bringen mich zum Träumen, wann immer ich sie rieche. Ich kann mir nicht erklären, warum das so ist.


Wie duftet der Ort, an dem Sie am liebsten sind?
Lavendel, Zypresse, Labdanum, Thymian, Rosmarin. Es ist das Haus meines Großvaters im Süden Frankreichs.


Gibt es ein Parfum, von dem Sie sich niemals trennen würden?
„Songes” und „Ce Soir ou Jamais” (das Parfum meiner Mutter).


Wie haben Sie als Kind das Duft-Labor Ihrer Mutter empfunden?
Ich habe es eher lustig als geheimnisvoll empfunden. Ein bisschen wie ein sehr ungewöhnlicher Spielplatz. Ich wollte alles ausprobieren und riechen und miteinander kombinieren…


War es für Sie von Anfang an klar, dass Sie das Parfumhaus Ihrer Mutter übernehmen?
Nicht wirklich. Ich habe zunächst als Photographin gearbeitet. Nach dem Tod meiner Mutter habe ich dann angefangen, zusammen mit Isabelle Doyen im Labor zu arbeiten. Drei Jahre lang habe ich beides parallel gemacht und mich dann letzten Endes für die Düfte entschieden


Wenn Sie nicht Parfümeurin wären, was würden Sie dann gerne tun?
Dann wäre ich einfach bei der Photographie geblieben. Ich hatte schon immer viele Bilder im Kopf und bereits als Kind den Drang, jeden Moment meines Lebens einzufangen. Düfte zu erschaffen ist auch eine Art, diesen Drang auszuleben und die Zeit anzuhalten… Das ist wohl meine melancholische Seite.


Sie selbst haben in der Fotografie und bei verschiedenen Zeitschriften gearbeitet, sind also mit der visuellen Arbeit vertraut. Ist diese Erfahrung mit in den Relaunch der Verpackungen der Düfte eingeflossen?
Das Marketing Team und ich haben Hand in Hand am Verpackungsrelaunch gearbeitet. Wir hatten die gleiche Vision, wo der Weg hingehen soll: Die Marke musste eine neue Modernität bekommen, um auch in Zukunft zeitlos elegant bleiben zu können. Gleichzeitig sollte sie sich selber treu bleiben und nicht alles verändert werden. Natürlich war es ein Vorteil, Photographie und Kunst studiert zu haben. Ich glaube allerdings, das wichtigste war, dass mir meine Mutter ihre Liebe zum Detail, ihre Sicht des Lebens und ihren Geschmack vererbt hat.