Im Gespräch mit Friedemann Ramacher

Daim Rouge, der fünfte Duft aus dem Hause Sentifique, überrascht mit Gegensätzen: Herbes Wildleder vereint sich mit saftigen Beeren und Rosen Absolue zu einem sinnlichen, rebellischen Parfum. Zum exklusiven Prelaunch von Daim Rouge bei Ludwig Beck sprachen wir mit Friedmann Ramacher, Creative Direktor von Sentifique, über Inspirationen und Inhaltsstoffe.

Rebellion par excellence

Herr Ramacher, Sie sind Möbel- und Duftdesigner, wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Kombination?

Für mich ist das gar nicht ungewöhnlich. So lange ich denken kann, interessiere ich mich für die Gestaltung der verschiedensten Dinge. Als kleiner Junge hatte ich schon eine ganz klare Vorstellung, wie mein Traumhaus aussehen könnte und welche Art von Kunst und Musik mir gefällt. Zum Beispiel habe ich mir aus Klötzchen den Bungalow gebaut, in dem ich gerne gewohnt hätte. Dabei stand der große Mies van der Rohe Pate. Meine Arbeit als Innenarchitekt und Möbeldesigner gab mir die Möglichkeit, einige meiner Ideen in einem sehr schönen Gebiet zu verwirklichen. Die Idee, ein Parfum-Haus zu gründen, entstand ganz spontan vor gut 5 Jahren. Ich hatte einen Auftrag für eine Inneneinrichtung und schlug dem Kunden vor, das Ganze mit einem eigens kreierten Raumduft zu ergänzen. Ich fand die Thematik so faszinierend, dass ich große Lust bekam, eine eigene Duftlinie herauszubringen: Keine Raumdüfte, sondern Eaux de Parfum (die anspruchsvollste und interessanteste Disziplin der Parfümeriekunst). Der Aufbau meines eigenen Parfum-Hauses war extrem aufwendig und super spannend. Neben der Kreation der ersten vier Düfte, ging es auch darum eine neue Marke zu schaffen. Ich entwarf ein Leitbild, gestaltete das schweizerisch schlichte Design der Flacons und Verpackungen und ließ mir den Namen „Sentifique“ einfallen.

 

Sie verarbeiten bei Ihren Möbeln viel Leder. Dem Namen nach zu urteilen „spielt“ Ihr neuer Duft Daim Rouge mit Wildleder? Was fasziniert Sie an Leder – beim Möbeldesign und für Ihre Düfte?

Leder ist ein wunderschönes und edles Material. Vor allem, wenn es möglichst naturbelassen ist, auch noch wirklich nach Leder riecht. Ich habe sehr viele Sofas aus Leder produziert. Die meistens davon jedoch für Lounges, Restaurants oder Büros. Dort finde ich Leder auch passend. Bei mir zu Hause wird aber nie ein Ledersofa stehen. Mir ist das zu kalt, protzig und spießig. Mit Geschmack und Zurückhaltung eingesetzt, kann Leder aber auch in privaten Räumen sehr schön sein. Da denke ich aber eher an Accessoires oder einen einzelnen Sessel.

Mit Lederkleidung ist es ganz ähnlich. Leder kann sehr sexy und stylish, aber auch billig daherkommen. Leder hat etwas Verruchtes und weckt Assoziationen an die Sado Maso Szene. Das hat durchaus seinen Reiz. Vor allem bei Frauen, die es verstehen, die Grenze zum Kitsch oder zum Vulgären nicht, oder nur ein ganz kleines Bisschen zu überschreiten. Ein schwarzes Tailleur aus glänzendem Lammleder ist eines der schicksten Outfits, das ich mir an einer Frau vorstellen kann.

Wildleder, wie wir es in „Daim Rouge“ verwenden, ist noch mal was anderes. Eine sehr erotische und elegante Tierhaut, die im Gegensatz zum Glattleder nie kitschig, vulgär oder brutal wirken kann – sei es als Material für Kleidung oder als Duft.

 

Ihre Parfüms enthalten sehr exquisite Rohstoffe, finden Sie die Zeit diese selber auszusuchen oder übernimmt das Ihr Parfümeur?

Diese wundervollen Ingredienzien kennt die Menschheit schon seit ewigen Zeiten. Man muss sie eigentlich nicht suchen, man muss sie nur verwenden wollen und auch bereit sein, den entsprechenden Preis dafür zu zahlen. Natürlich zeigt mir mein Parfümeur immer wieder neue Kostbarkeiten, die er Dank seinen guten Beziehungen beschaffen kann. So zum Beispiel ein ganz besonders luxuriöses Sandelholz, unsere legendären Patchouli Kristalle, einen sehr eleganten Oud oder die allerneusten synthetischen Nachbildungen von Zibet, Moschus und Amber. Bei jedem Parfum habe ich ganz klare Vorstellungen, was drin sein könnte und meine Briefings sind sehr konkret. Andreas Wilhelm versteht sehr gut, was in meinem Kopf abläuft und setzt meine Ideen perfekt um. Perfekt ist vor allem auch, dass er trotz meiner konkreten Vorgaben, immer auch alternative Vorschläge mit anderen Duftstoffen ausarbeitet, auf die ich selber nie gekommen wäre. Aus dieser Zusammenarbeit entstehen unsere tollen Düfte.

 

Sie verzichten auch auf UV-Filter in Ihren Parfüms; warum sind diese denn überhaupt in einem Duft enthalten?

Die meisten Parfums enthalten UV-Filter. Um Sonnenschutz geht es da aber nicht. Die UV-Filter sind nur dazu da, das Verblassen der verwendeten künstlichen Farbstoffe zu verhindern. Da wir einen hohen Anteil an natürlichen ätherischen Ölen verwenden, haben unsere Parfums ihre eigene Farbe. Man könnte mit Farbstoffen natürlich noch etwas nachhelfen aber wir haben uns entschieden darauf zu verzichten. Weniger ist hier mehr. Farbstoffe und die dann auch notwendigen UV-Filter stellen nur ein zusätzliches Allergierisiko dar.

 

Sie möchten mit Ihrer Arbeit gerne das Schöne in unser Leben bringen. Welche Dinge, materielle oder auch nicht, bedürfen Ihrer Ansicht nach dringend mehr Schönheit?

Ich habe sehr schöne Dinge gesehen und erlebt, aber ich kenne auch die Schattenseiten des Lebens. Etwas mehr Glamour und Spaß tut jedem Menschen gut. Das ist das, was ich mir und jedem anderen Menschen wünsche.